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Eigenständigkeit durch
Abgeschiedenheit
Eine herrlich hymnische Viking/Pagan/Heathen Metal-Individualmischung aus
den superben Seefahrer-Sounds von Thyrfing, Ensiferum, Moonsorrow und
alten Einherjer? Noch dazu dezent versetzt mit allerlei traditionell
nordischer Folklore, quirligen Akkordeonklängen und filigran gespielten
Fideln a la Skyclad – welchem treuen Viking Metal-Anhänger triefen bei
dieser lüsternen Vorstellung nicht die Lefzen in Strömen? Dass es nicht
nur bei sehnsüchtiger Träumerei von solcherlei Liedgut bleibt, dafür
sorgen nun diese fünf finnischen Feuerherzen und ihr außerordentlich
hymnisches Debütalbum mit dem programmatischen Titel „Battle Metal“.
„TURISAS ist ein Kriegsgott, von dem alte Sagen und Überlieferungen
unserer Heimat künden – der Name passte perfekt für unsere Truppe.“, gibt
mir Sänger Mathias aka Warlord Nygård eingangs preis.
Mit zwar abartig krächzender, aber doch gut aufgelegt klingender Stimme
fügt der aus dem Örtchen Hämeenlinna stammende Vokalist an: „Ich und unser
Gitarrist Jussi Wickström gründeten TURISAS 1997. Wir hatten damals nichts
Vernünftiges zu tun und überlegten uns, eine Band ins Leben zu rufen.“,
lacht er.
Von Acts wie Finntroll, Moonsorrow oder Ensiferum hat er damals bei
Bandgründung jedoch noch gar nichts gewusst, wie Mathias in aller
Offenheit bekennt: „Da wir doch ein Stück außerhalb von Helsinki und der
dortigen Metal-Szene leben, zieht Vieles von dort noch immer an uns vorbei
– was aber unserer Auffassung nach eigentlich gar nicht mal so schlecht
ist, denn so wurden, sind und bleiben wir in erster Linie stilistisch
eigenständig und können in aller Unbeeinflusstheit unser Ding durchziehen.“
Wie sich dann im Weiteren auftut, frönen TURISAS in ihrer Freizeit ganz
anderen Dingen, als sich ständig im tiefen Wald zu treffen, dort die Natur
zu preisen und in selbstgebauten Blockhütten vor prasselnden Feuern
literweise Met zu kübeln. Der Warlord hat das Wort: „Wenn wir das ständig
täten, würde sicherlich der Reiz daran schnell vergehen. So bleibt es für
uns alle eine ganz exklusive Sache, welche wir wirklich nur manchmal und
dann auch meistens nur für Gruppenfotos inszenieren. Nicht, dass wir nicht
von dieser Thematik immens fasziniert wären, aber es sollte nicht von uns
erwartet werden, dass wir unser Bandimage auch privat genau so leben.“ In
den Wäldern seiner Heimatstadt geht er aber trotzdem hin und wieder sehr
gerne spazieren und genießt dabei die Schönheit der Natur, wie der
redselige Krächzer anhängt.
Die künstlerische Kompetenz der TURISAS-Horde brauchte eine ganze Weile,
um sich bis zu ihrer heutigen Hochform hin zu entwickeln. Lobenswerte
Ehrlichkeit: „Die meistens Bands des Genres gründen sich heutzutage mit
Mitgliedern, welche bereits in anderen Truppen gespielt haben und dann
schon einige Erfahrung vorweisen. Wir hingegen begannen als total blutige
Anfänger und konnten erstmal gar nichts. Unsere musikalischen Anfänge
waren wirklich enorm mies.“ Das stachelte sie aber im Gegenzug zu einiger
Motivation an, um immer noch besser zu werden, wie sich Mathias erinnert.
„Ebenfalls brachte diese anfänglich noch recht leidliche Situation den
gravierenden Vorteil mit sich, dass wir uns kompositorisch und
spieltechnisch bestmöglich nach und nach gegenseitig kennen lernen
konnten. So konnte sich jeder auf den anderen prima einstellen und danach
musikalisch vorgehen. So wuchsen wir mit unseren gesteigerten Fähigkeiten
jedes Mal umso mehr als Gruppe zusammen.“
Markus Eck |